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Kurzinformation

Ss (GT) -Polymorphismus: Frage nach einem erhöhten Osteoporose-Risiko. Bereits im jugendlichen Alter mögliche Identifikation von Risikopatienten. Nicht belastende Prophylaxe und Prävention im frühen Lebensalter durch Änderung der Ernährungsgewohnheiten und körperliche Aktivität. Die Klinische Relevanz des Polymorphismus ist allerdings noch nicht gesichert.
Osteogenesis imperfecta, Ehlers-Danlos Syndrom Typ VII.

 


 

Humangenetik          

Das auf Chromosom 17q21.31-q22 gelegene Gen umfasst einen Bereich von 17.5 kb mit 51 Exonen. Genprodukt ist die α1-Kette des Kollagen Typ I (Mr 138.9 kDa), das aus einer Tripelhelix von zwei α1- und einer α2-Kette besteht. Es kommt vorwiegend in Haut, Zähnen und der Knochenmatrix vor.

 

         

Ss (GT) -Polymorphismus: Im Intron 1 des Gens liegt ein weit verbreiteter Polymorphismus, der mit einer reduzierten Knochendichte und damit mit einem erhöhten Osteoporose-Risiko assoziiert ist. Er findet sich in einer Regulatorregion des Gens, der Bindungsstelle für den Transkriptionsfaktor Sp1. Am Nukleotid +2046 besteht ein Basenaustausch (g.2046 G>T), bei dem G (Guanin, auch S-Allel genannt) durch T (Thymidin, auch s-Allel genannt) ersetzt wird. Bei der kaukasischen Rasse tragen 61% den Genotyp SS (GG), 36% den Genotyp Ss (GT) und etwa 3% den Genotyp ss (TT). Das s-Allel ist mit einer geringeren Knochendichte und einem erhöhten Fraktur-Risiko assoziiert. Frauen mit dem Genotyp Ss (GT) haben im Durchschnitt eine 2% geringere, Frauen mit einem Genotyp ss (TT) eine 4-6% geringere Knochendichte und ein 4.8% höheres Fraktur-Risiko.

 

         

Neben diesem Polymorphismus sind bisher 177 Mutationen (Punktmutationen, Deletionen, Insertionen und Duplikationen) beschrieben, die das Krankheitsbild einer Osteogenesis imperfecta und eines Ehlers-Danlos Syndroms Typ VII hervorrufen.

 

        


 

Erbgang       

Der Ss (GT) -Polymorphismus wird kodominant vererbt.

 

         

Die Osteogenesis imperfecta wird überwiegend autosomal dominant und autosomal rezessiv vererbt, das Ehlers-Danlos Syndroms Typ VII wird autosomal dominant vererbt.

 

        


 

Symptome   

Ss (GT) -Polymorphismus: Erhöhte Neigung zur Entwicklung einer senilen oder postmenopausalen Osteoporose.

 

         

Das klinische Bild der Osteogenesis imperfecta ist durch eine vermehrte Knochenbrüchigkeit mit sekundären Verbiegungen der Röhrenknochen, Kyphoskoliose, Thoraxdeformitäten, Brachyzephalie und Kleinwuchs, blauen Skleren, Glaukom und Katarakt, Schallleitungsschwerhörigkeit aufgrund von Frakturen der Gehörknöchelchen, Dentinogenesis imperfecta mit graublau schimmernden Zähnen gekennzeichnet. Der Schweregrad der Erkrankung hängt von der Art und der Lokalisation des Strukturdefektes innerhalb der α1-Kette ab. Bei Typ I finden sich nur gelegentlich Frakturen, Typ II kennzeichnet die Schwerstbetroffenen, die während oder kurz nach der Geburt sterben, Typ III ist durch Kleinwuchs und progrediente Deformitäten gekennzeichnet, Patienten mit Typ IV zeigen bereits bei Geburt zahlreiche Frakturen und erleiden danach zahlreiche Brüche kombiniert mit extremem Kleinwuchs und progredienten Deformitäten.

 

         

Das klinische Bild des Ehlers-Danlos Syndroms Typ VII ist gekennzeichnet durch eine hyperelastische, weiche, leicht zerreißbare Haut, die mit atrophischen oder hypertrophischen, hämosiderotisch verfärben Narben verzögert heilt und eine starke Suffusionsneigung zeigt. Es finden sich überstreckbare Gelenke, kongenitale Hüftluxationen, inguinal- und Zwerchfellhernien, Anal- und Uterusprolaps sowie Blasendivertikel. Es besteht eine Muskelhypotonie, Rupturen großer Gefäße können sich einstellen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 35 Jahren.

 

        


 

Siehe           

Patienteninformationen: Osteoporose

 


 

G. Schlüter, H.P. Seelig